PD Dr. Kai van Eikels und Dr. Stefan Hölscher

Kollektive Vergegenwärtigung: Der Workshop als künstlerisch-politisches Format

(Fritz Thyssen-Drittmittelprojekt)

Das Forschungsprojekt untersucht das Format des Workshops als Schnittpunkt von Kunst und Politik in der Gegenwart. Eine Genealogie des Workshop-Formates soll anhand der Entwicklungen von den 1960er Jahren (u.a. Judson Church Theatre, Grand Union, Andy Warhols Factory) bis ins 21. Jahrhundert (bspw. im Kontext des Performing Art Forums sowie in den Arbeiten von Koki Tanaka und Xavier le Roy) die maßgeblichen Faktoren herausarbeiten, die dazu führen, dass kurzfristige, intensive, wesentlich durch Techniken körperlich-praktischer Vergegenwärtigung erzeugte Kollektiverfahrungen gleichermaßen künstlerische wie politisch-soziale Ziele zu verwirklichen versprechen.
Seit den 1960er-Jahren etabliert sich eine Workshop-Kultur, die von den USA aus rasch global expandiert. Die prominentesten Bewegungen und Orte einer disziplinübergreifenden Neubestimmung der Kunst in den 60er und 70er Jahren im Zeichen des Performativen – u.a. Fluxus und das Judson Dance Theater – greifen auf das Workshop-Format zurück. Heute stellt der Workshop weltweit die dominierende Organisationsform von bewussten körperbasierten Erfahrungen und eins der wichtigsten Ausbildungs- und Arbeitsformate in Theater, Tanz, Performance und den performativ interessierten visual arts dar. Das Projekt will diese Organisationsform zunächst sowohl in der historischen Genese ihres Erfolges als auch in ihrer systematischen Relevanz für die aktuell in den Künsten verbreiteten Vorstellungen von Kollektivität untersuchen und dabei herausarbeiten, wie durch die Techniken der Vergegenwärtigung in Workshops spezifische Dispositionen geschaffen werden, die sich sowohl auf die zeitgenössische Ästhetik als auch das soziale und politische Profil der Kunst auswirken.