Die Christoph Schlingensief-Gastprofessur für Szenische Forschung wurde 2015 auf Initiative der Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Bochumer Institut für Theaterwissenschaft eingerichtet. Im Rahmen dieser Professur werden international renommierte Künstlerinnen, Künstler und Kollektive nach Bochum eingeladen, um hier mit den Studierenden den aktuellen Stand der performativen Künste praxisorientiert zu erforschen und zu diskutieren. Auf diese Weise verbinden sich Forschung und Vermittlung von theoretischen und praktischen Kompetenzen mit dem Ziel, die junge Szene in NRW durch externe Exzellenz professionell zu entwickeln und der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Gastprofessur ist zudem Teil der „Positionen szenischer Forschung“, in denen die Arbeitsweisen der*des jeweiligen Künstler*in mit einer breiteren Öffentlichkeit dargestellt und diskutiert werden.

Seit der Gründung des Studiengangs Szenische Forschung im Jahre 2012 erarbeiten eingeladene Künstlerinnen und Künstler mit dem jeweils neuesten Jahrgang eine Inszenierung, die am Ende des Semesters öffentlich gezeigt wird. Mit der Christoph Schlingensief-Gastprofessur für Szenische Forschung konnten diese Einladungen seit 2015 auf eine weitaus breitere Basis gestellt werden. Gastprofessoren der vorausgegangenen Jahre: Hans-Werner Kroesinger (2012), Johanna Freiburg und Sebastian Bark / She She Pop (2013), Claudia Bosse / theaterkombinat (2014), Helgard Haug und Stefan Kaegi / Rimini Protokoll (2015), Laurent Chétouane (2016/17), Antonia Baehr (2017/18)  und Boris Nikitin (2018/19).

 

Gastprofessur 2018/19: Boris Nikitin

Theateressay

Von und mit: Christian Minwegen, Anna Neubert, Yana Novotorova, Lioba Sombetzki, Diana Treder, Marieke Werner, Mandy Wiegand

 

Gastprofessur 2017/18: Antonia Baehr

Menschen ÷ Tiere

Angelehnt an die Partitur, die der Performance „Abecedarium Bestiarium: Affinitäten in Tiermetaphern“ der Choreografin und Gastprofessorin Antonia Baehr zugrunde liegt, erschaffen zehn Studierende der Szenischen Forschung der Ruhr-Universität Bochum einen zoologischen Garten. Terrarium, Aquarium, Steppe, vielleicht auch ein Fluss oder mehrere Strände finden ihren Platz im tanzhaus nrw. In verschiedenen Lebenslagen lassen sich allerlei Menschentiere bestaunen, wie sie kreischen, schnurren, summen, singen, tanzen, staksen – und befragen, was das über die rätselhaften Beziehungen zwischen Menschen und Tieren aussagen mag.
Von und mit: Patricia Bechtold, Charlotte Brohmeyer, Silvia Ehnis Perez Duarte,
Yasmin Fahbod, Philipp Hohmann, Viviane Lennert, Marlene Ruther, Franziska Schneeberger, Ella Steinmann, Sarah Wessels

 

Gastprofessur 2016/17: Laurent Chétouane

Chaos

Wie kann das Formlose in ästhetische Formen gebracht werden? Ist Chaos ein Zustand oder ein Prozess? In welchem Verhältnis stehen Chaos und Unordnung? Kann man Chaos inszenieren? Ist Chaos nützlich? Wie entsteht Chaos? Geleitet von Erkenntnissen und Arbeitsansätzen eines Seminars von Laurent Chétouane haben sich die Studierenden mit dem Thema Chaos beschäftigt. Sie suchten nach einer szenischen Forschung, die die heterogenen Ansätze und Ideen, Formen und Ästhetiken, die das Thema offeriert und erfordert, vereinen kann. In der Zeche 1 wurden abschließend szenisch-klangliche Werkstattergebnisse präsentiert.
Von und mit: Philipp Blömeke, Eva Busch, Amirhossein Mashaherifard, Golnaz Farmani, Judith Franke, Lisa Heinz, Johannes Lührs, Katarína Marková, Hans Peters, Anna-Lena Weckesser

 

Gastprofessur 2015: Rimini Protokoll

Trucks Tracks Ruhr

Trucks Tracks Ruhr ist ein Projekt von Rimini Protokoll und Urbane Künste Ruhr. Die Pilottour der Reihe erarbeiten Rimini Protokoll gemeinsam mit Studierenden der Szenischen Forschung. Als Zuschauerraum diente ein umgebauter, fast komplett verglaster Lastwagen, als Bühne die Stadt und ihre Geschichten. Den Szenischen Forscher*innen ging es darum, die Stadtlandschaft und das alltägliche Leben zu vertonen und zu inszenieren: So fuhr das Publikum durch Bochum und über den Stadtrand hinaus. Mit jeder Öffnung des Vorhangs hörten die Zuschauer*innen neue Erzählungen und waren dazu eingeladen, die gehörten Geschichten auf die gerahmte Umgebung zu projizieren.
Von und mit: Anna Júlia Amaral, Emel Aydogdu, Sebastian Bös, Izabela Maria Chmielewska, Luisa Hausmann, David Kilinc, Konstantin Kraft, Miriam Michel, Marcel Nascimento, Isabelle Wapnitz, Anna-Lena Werner

 

Gastprofessur 2014: Claudia Bosse

imagine! catastrophe – imagine! paradise

2014 haben die Studierenden mit der Wiener Künstlerin Claudia Bosse performative Praktiken erprobt. Daraus ist ein szenisches Experiment entstanden. Dieses setzt sich mit den kulturellen Vorstellungsräumen von Paradies und Katastrophe auseinander und erforscht deren mediale Narrative. In der Befragung dieser Vorstellungswelten und Wirklichkeitskonstruktionen versuchten sie, Zwischenräume, individuelle Narrative und Bewegungen neu zu entdecken. Die zyklische Dauerperformance/Installation konnte innerhalb einer zwölfstündigen Nacht in den Rottstr5 KUNSTHALLEN erkundet werden.
Von und mit: Burcu Uygur, Laura Brechmann, Jens Eike Krüger, Judith Pawlitta, Anja Plonka, Constantin Schädle, Franziska Seidel, Carolin Vogel, Nina Weber

 

Gastprofessur 2013: SheShePop

Fremde Wesen

Angeleitet von Johanna Freiburg und Sebastian Bark von She She Pop haben die Studierenden Performances entwickelt, die sich mit Spielanordnungen und dem Sujet des Selbstportraits befassen. Die Arbeiten wurden unter dem Namen Fremde Wesen in den FFT Kammerspielen in Düsseldorf gezeigt.
Von und mit: Amanda Bailey, Helene Ewert, Julian Gerhard, Asli Karali, Julia Nitschke, Mina Novakova, Mira Pahlke, Ruth Schultz, Carolin Vogel 

 

Gastprofessur 2012: Hans-Werner Krösinger

»we did not fully understand the complexities of the situation we were dealing with«

Wie über das Unsagbare sprechen, wie darüber schreiben, wie es auf einer Bühne verhandeln? Im ersten Semester der Szenischen Forschung haben sich die Studierenden des neu eingerichteten Studiengangs gemeinsam mit dem Regisseur und Gastprofessor Hans-Werner Krösinger mit dem Genozid in Ruanda beschäftigt und sich szenisch wie installativ mit dem Text-, Bild und Videomaterial, welches mit dem Völkermord in Verbindung steht, auseinandergesetzt. Teile der Recherche wurden im Anschluss im Rahmen eines szenischen Rundgangs im FFT Juta in Düsseldorf präsentiert.
Von und mit: Emese Bodolay, Kama Frankl, Martina Gimplinger, Josefine Rose Habermehl, Anna-Lena Klapdor, Almut Pape, Andrea Richardz, Jascha Sommer, Ulrike Weidlich