Die Veranstaltungsreihe POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG, die seit 2015 am Institut für Theaterwissenschaft unregelmäßig stattfindet, ist ein Raum für Diskussionen um die Möglichkeiten, Bedingungen und Praxen szenischen Forschens; er dient der Verhältnisbestimmung von Theorie und Praxis und lotet neue Formen in den zeitgenössischen szenischen Künsten aus.
Renommierte Künstler*innen und Theoretiker*innen stellen ihre Arbeiten, Positionen und Forschungsansätze vor und diskutieren sie mit den Studierenden.

Wintersemester 2019/20

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG VIII: Sebastian Blasius

14.11.2019 / 18.15Uhr / GB 5-160

Rollen des Zuschauers
In meiner Lecture werde ich versuchen, meine künstlerische Arbeit der letzten 10 Jahre zu rekapitulieren: Am Anfang standen jene Rekostruktions- und Überschreibungsexperimente früherer ikonographischer Inszenierungen, die versuchten, aus der Neuproduktion von Bildern auszutreten und stattdessen den Diskurs der Appropriation Art für das Theater fruchtbar zu machen. 2014 dann ein vermeintlicher Bruch: In installativen Räumen, die die Trennung zwischen Darsteller- und Zuschauer*innen aufhoben, schienen sich Möglichkeiten zu Partizipation oder kollektivem Agieren anzubieten, andererseits löste sich die distanzierte Betrachteransprache nie gänzlich auf. Wie also verhält man sich, wie schaut man zu? Die Inszenierung eines Dissenses für die Zuschauer*innen kann als Leitmotiv meiner Arbeiten der letzten Jahre gelten, in denen Formate für eine/n einzelne/n Zuschauer*in eine besondere Rolle einnehmen – darunter die installative Performance VANITAS, in der der Pulsschlag der/s einzelnen Zuschauer*in zum Taktgeber für das Agieren von 13 Performer*innen wird. Vielleicht ist es insgeheim die Inszenierung der/s Zuschauer*in und seines Souveränitätsverlusts, um den es in meinen neueren Arbeiten geht.

Sebastian Blasius arbeitet als Regisseur, Choreograph und Theaterwissenschaftler. Leitmotivisch befasst er sich Themen wie Identität, kulturellem Erbe, dem Verhältnis zwischen Publikum und Ausführenden und dem Handlungscharakter von Kunst. Seine Arbeit begreift er beständig als Forschung, in der verschiedene künstlerische, theoretische und politische Strategien in einen Dialog miteinander gebracht werden. Er unterrichtet an Universitäten und Hochschulen in den Bereichen Theorie sowie künstlerischer Praxis.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG IX: Sibylle Peters

05.12.2019 / 18.15 Uhr / GB 5-160

Participatory Art Based Research: für eine Demokratisierung der (künstlerischen) Forschung 
In den zwei Hamburger Graduiertenkollegs zu den Themen Versammlung & Teilhabe und Performing Citizenship wurden Arten und Weisen des Forschens entwickelt und erprobt, in denen künstlerische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven zusammenkamen: In 20 Projekten forschten Künstler*innen und Forscher*innen gemeinsam mit über 750 anderen Expert*innen: Kindern, Nachbar*innen, Aktivist*innen, Migrant*innen, Senior*innen etc. Gegenwärtig werden die entwickelten Verfahren ausgewertet und unter dem Titel „Participatory Art Based Research“ vorgestellt. Ein Ergebnis: Kultur- und gesellschaftswissenschaftliche Forschung ist im Miteinander ganz heterogener Forschungspartner*innen möglich und dabei womöglich oft fruchtbarer und wirksamer als im rein akademischen Rahmen. Es ist Zeit, das Privileg der Forschung zu hinterfragen und anzugreifen: So wie ein Recht auf Bildung, brauchen wir auch ein Recht auf Forschung.

Sibylle Peters ist in Forschung und Lehre an den Universitäten in Hamburg, München, Wales, Basel und Berlin (FU) tätig; als Performerin und Regisseurin hat sie zahlreiche Projekte realisiert, u.a. mit der geheimagentur und unter WISHFUL THINKING. Schwerpunkte in Forschung und künstlerischer Produktion sind: der Vortrag als Performance, Theorie der Versammlung, der mediale Gebrauch der Zeit, transdisziplinäre Forschungsprozesse, Theatralität und Evidenz, Theorie des Unwahrscheinlichkeitsdrives. Sibylle Peters leitet im Graduiertenkolleg „Performing Citizenship“ den Teilbereich „Kulturelle Bildung und Forschung“ und ist die Sprecherin des Kollegs.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG X: Jörg Albrecht

16.01.2020 / 18.15 Uhr / GB 5-160

Why make a work of art when it’s so nice just to dream of it?
Waren wir jetzt nicht lange genug effizient und auf Realisation aus? Wollen wir nicht lieber nur noch Konzepte und Exposés schreiben und uns dann gegenseitig fragen, was uns an ihnen berührt? (Du warst immer am poetischsten in Deinen Konzepten.) Manche Dinge werden sowieso nie kommen. Demokratie zum Beispiel war doch dieser junge Geliebte, der mir immer nur aus der Ferne zuwinkte, oder? Und ist es nicht unglaublich schön mit ihm?

Jörg Albrecht arbeitet als Schriftsteller in den Gattungen Prosa/Roman, Theatertext, Hörspiel, Essay; seine literarischen Arbeiten zu Themen wie Überwachung, Prekarisierung, Queerness, Architektur und Stadtentwicklung wurden als Rückkehr des Diskursiven und Politischen in die Literatur der jüngeren deutschsprachigen Generation gewertet. Er ist Mitbegründer des Theaterkollektivs copy & waste; performative Arbeiten ergänzen seine Texte. Seit 2018 ist er Gründungsdirektor und Künstlerischer Leiter von Burg Hülshoff – Center for Literature.

Archiv

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG VII: Boris Nikitin
25.01.2018 / 18.15Uhr / GB 5|160

Die Theaterarbeiten des Regisseurs und Autors Boris Nikitin setzen sich seit rund zehn Jahren mit der Konstruktion von Identität und Realität auseinander.
Seine Stücke suchen dabei stets den Grenzgang zwischen Illusionstheater und Performance. Mit „Hamlet“ eröffnete er 2016 das Impulse-Festival in Köln. Theater heute schreibt: „Wie wenig andere führt Boris Nikitin das Theater derzeit an einen kritischen Punkt.“

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG VI: Antonia Baehr
11.01.2018 / 16.15Uhr / GB 5|160

Die Choreografin, Performerin und Filmemacherin Antonia Baehr zählt zu den wichtigsten Vertreter*innen des zeitgenössischen Tanzes. Ihre Produktionen umfassen neben Bühnenstücken auch Hörspiele, Features und Bücher.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG V: Laurent Chétouane
18.06.2016 / 18:15Uhr / TOR5 Alleestraße

Der französische Choreograf und Regisseur Laurent Chétouane, der mit seinen Tanzstücken No.1-4 international bekannt wurde, zeigte seine berühmte Arbeit ‚Sacré Sacre du Printemps‘ 2012 im Rahmen der Ruhrtriennale. Chétouane arbeitet auch als Dozent an verschiedenen Universitäten.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG IV: Hans-Peter Litscher
01.02.2016 / 16:15Uhr / GBCF 04|514

Der Spurensucher & Echosammler Hans Peter Litscher, der größtenteils in Paris lebt und u.a. bei Gilles Deleuze studiert hat, ist seit mehr als 40 Jahren in unterschiedlichen Kontexten als Künstler tätig.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG III: Claudia Bosse
15. Juni 2015 / 16:15Uhr / GB 5|160

Claudia Bosse ist Gründerin der Wiener Kompanie theatercombinat, die seit fast 20 Jahren Produktionen zwischen Theater, Installation, Choreographie, Performance und Diskurs entwickeln und international zeigen.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG II: Rimini Protokoll
22.04.2015 / 18:15Uhr / GABF 04|411

Das Regie-Kollektiv Rimini Protokoll (Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel) erarbeiten seit 15 Jahren in wechselnden Zusammensetzungen international gefeierte Theaterarbeiten, Hörspiele, Filme und Installationen.

POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG I: Heiner Goebbels
12.01.2015 / 18:00Uhr/ Kunstsammlung RUB

Der international renommierte Komponist, Regisseur und Theaterwissenschaftler Heiner Goebbels war von 2012-14 Intendant der Ruhr-Triennale und bis 2018 Professor am Institut für Theaterwissenschaft Gießen.