Wintersemester 2019/20

Infrastruktur: Ästhetik und Versorgung

Donnerstag, 10-12 Uhr, Raum: HGA 20
Organisation: Kai van Eikels und Jörn Etzold
Begleitseminar: jeden Donnerstag 12-14 Uhr in Raum GABF 05/608

Infrastruktur bezeichnet die Voraussetzungen dafür, dass die grundlegenden Prozesse des Lebens und Zusammenlebens funktionieren. Nach dem Infrastrukturellen zu fragen heißt, die Welt unter dem Aspekt der Versorgung zu betrachten: Verkehrsnetze und Transportmittel, die Koordination von Arbeit, die Organisation von Pflege und Betreuung, die Einrichtung und Unterhaltung kultureller Räume… Infrastruktur wird affektiv aufgeladen, ist Projektionsfläche für starke imaginäre Besetzungen. Kunst nutzt Infrastruktur zur Produktion und Distribution. Sie reflektiert in ihrer erprobenden Nutzung die jeweiligen Infrastrukturen zugleich, legt die spezifischen Dispositionen der Sorge und Sorglosigkeit frei. Kunst interveniert mitunter gezielt in Infrastrukturen, um deren laufenden Betrieb zu stören oder zu ändern. Aus den Perspektiven von Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte erörtert die Vorlesung die Beziehungen zwischen Ästhetik und materiellen Abhängigkeiten.

Wider alle Regeln – Theorie und Geschichte gespielter Komik im 20. Jahrhundert

Dienstag, 16-18 Uhr, Raum: HGB 30
Organisation: Guido Hiß und Burkhard Niederhoff

Das primäre Interesse der mit künstlerischen Medien befassten Wissenschaften richtet sich traditionell auf das Tragische und was daraus erwachsen ist. Die geschichtliche Randstellung des Komischen erklärt sich nicht von selbst, zumal die Komödie gleichberechtigt zur (postdionysischen) Gründungsausstattung des antiken Theaters gehörte und als Ort des Politischen der Tragödie keineswegs unterlegen war, auch nicht im künstlerischen und anthropologischen Potenzial einer szenischen Erforschung (und Konstruktion) des „Allzumenschlichen“.
Diese Vorlesung möchte die kulturelle Bedeutung des Gegenstandes interdisziplinär erschließen und dabei auch etwas zur Ehrenrettung des Komischen beitragen. Sie wendet sich an alle Studierenden der Fakultät und präsentiert ein breites Spektrum von Zugängen zu Phänomenen des Komischen. Dabei korrespondieren literatur-, medien-, theater- und musikwissenschaftliche Positionen sowie fachübergreifende Fragestellungen. Die Beispiele reichen von den historischen Avantgarden über das absurde Theater bis zur Komik der Postmoderne. Beleuchtet werden signifikante dramatische Entwicklungen, die britische Sitcom, die Wiederentdeckung des Harlekinesken im musikalischen Theater, die Rezeption von Aristophanes‘ Werken auf den Bühnen und an den Schreibtischen und vieles andere mehr.
Neben Lehrenden aus der Fakultät beteiligen sich mit Bernhard Greiner und Uwe Wirth auch zwei führende Komikforscher von auswärtigen Universitäten an der Ringvorlesung.

Theatergeschichte

Mittwoch, 12-14 Uhr, Raum: HGB 10
Organisation: Elisabeth van Treeck

Diese Ringvorlesung wird von den Lehrenden des Instituts für Theaterwissenschaft angeboten. Sie stellen Epochen und Positionen vor, die für die Entwicklung der abendländischen Theatergeschichte von besonderer Bedeutung waren und sind. Ihre Einzelvorlesungen gehen aus vom Theater der Antike, behandeln unter anderem die Simultanbühne am Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance, die Shakespearezeit und das Theater des Barock. Sie widmen sich der Trennung der Sparten, dem bürgerlichen Trauerspiel, der Geschichte des Musiktheaters und reichen über das Lehrstück bis zu den Avantgarden und Choreographien des 20. Jahrhunderts. Schließlich thematisieren sie auch jüngste Transformationen des Theaters vor und nach der Jahrtausendwende. Darüber hinaus gewährt ein Exkurs zum japanischen Theater exemplarisch Einblick in eine außereuropäische Theatertradition. Naturgemäß muss ein solches Vorhaben, zweitausendfünfhundert Jahre abendländische Theatergeschichte zu portraitieren, Lücken aufweisen. Jeder Überblick riskiert,wichtige Entwicklungen zu marginalisierten oder zu übergehen. Die historische Einführung wird hier in diesem Bewusstsein angeboten. Darüber hinaus wird in den Einzelvorlesungen nach Möglichkeit auf jene Lücken hingewiesen, und Querverbindungen können sichauch über den Verlauf der Vorlesungsreihe von selbst ergeben.